Ankara, 04.01.2010 (KAP) Das türkische staatliche Religionsamt
(Diyanet Isleri Baskanli/DIB) hat sich dafür ausgesprochen, die
Pauluskirche in Tarsus wieder als Gotteshaus zu öffnen. Diese
Auffassung habe seine Behörde auch den zuständigen staatlichen
Stellen übermittelt, sagte DIB-Leiter Ali Bardakoglu laut türkischen
Medienberichten vom Montag.
Die Kirche in Tarsus war während des vergangenen Paulusjahres
vorübergehend für Gottesdienste geöffnet. Sie dient seitdem aber
wieder als Museum. Kurienkardinäle und Bischöfe aus zahlreichen
Ländern haben die Türkei mehrmals aufgerufen, die Kirche im
Geburtsort des Apostels Paulus wieder für Gottesdienste zu öffnen.
Bardakoglu sagte den Berichten zufolge, in der Türkei wie in der
ganzen Welt habe die religiöse Toleranz möglicherweise nachgelassen.
Sein Land müsse aber die Religionsfreiheit achten und etwaige
Defizite beseitigen. "Wenn es an einem Ort eine christliche Gemeinde
gibt und wenn diese eine Kirche einrichten will, dann müssen wir
helfen", sagte der Leiter des Religionsamtes. Das gelte auch für die
Pauluskirche.
Das Problem des seit den 1970er Jahren geschlossenen orthodoxen
Priesterseminars Chalki bei Istanbul könne ebenfalls im Rahmen der
Religionsfreiheit gelöst werden, sagte Bardakoglu. Der türkische
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan machte unterdessen die
Öffnung des Seminars von Verbesserungen der Lage für die türkische
Minderheit in Griechenland abhängig.
Das Priesterseminar wurde 1971 im Zuge eines Verbotes privater
Hochschulen in der Türkei geschlossen. Wegen der fortdauernden
Schließung sieht sich das Ökumenische Patriarchat in seiner Existenz
bedroht. Nach türkischen Vorschriften darf das Patriarchenamt nur
von einem türkischen Staatsbürger bekleidet werden, der zudem in
Istanbul leben muss. Solange das Seminar geschlossen ist, kann kein
geistlicher Nachwuchs ausgebildet werden.
