Integration: Zurück zur Sachlichkeit!
Die umstrittenen Äußerungen der Innenministerin haben in den vergangenen Tagen eine vielfach polarisierende Angstdebatte über die Ausländerintegration in Österreich ausgelöst. Umso wichtiger ist es, die hohe öffentliche Aufmerksamkeit rasch zu einer Versachlichung der Debatte über dieses sensible Thema zu nutzen. Die Plattform "Christen und Muslime" stellt nach Studium der veröffentlichten Teile der Integrationsstudie des Innenministeriums eine Reihe offenkundiger Schwächen fest, die geeignet sind, die Fakten zu verzerren:
- Die Erhebung bei den Muslimen in Österreich ist nicht repräsentativ und klammert überdies ausdrücklich die Hälfte der im Land lebenden Muslime aus, indem sie sich nur mit Personen aus der Türkei und Bosnien beschäftigt (51,4 %).
- Während die Studie die Haltung der Österreicher an Hand eines repräsentativen Samples untersucht, fehlen im Teil über die Muslime alle Differenzierungen nach Alter, Geschlecht, Wohnort und Aufenthaltsdauer.
- Unbekannt sind sowohl die Fragestellungen, als auch das Profil der Beantworter und Beantworterinnen. Sind Frauen ausreichend zu Wort gekommen? Die Studie gibt jedenfalls über deren Selbsteinschätzung und Meinungen keine Auskunft.
- Die fehlende Differenzierung nach Lebensalter lässt eine entscheidende Frage unbeantwortet: Ob nämlich die Integration in der zweiten und dritten Generation fortschreitet. Das zu wissen, ist für die Integrationspolitik unerlässlich.
Die Plattform "Christen und Muslime" hält es aus diesen Gründen für leichtfertig und riskant, aus der Studie des Innenministeriums gültige Schlüsse auf die Integrationswilligkeit der in Österreich lebenden Muslime zu ziehen. Allerdings weist die Studie auf mehrere Ansatzpunkte für die Möglichkeit einer gelingenden Integration hin. Daran sollte man konstruktiv anknüpfen. Vorrangig wird es darauf ankommen zu klären, was mit "Integration" tatsächlich gemeint ist. Ohne eine solche Klärung fehlen der Politik auch weiterhin klare Zielvorgaben.
Für die Plattform "Christen und Muslime"
Prof. Heinz Nußbaumer
Dr. Peter Pawlowsky
Carla Amina Baghajati


